Farbenfrohes Kanada im Herbst

Mein zweiter Herbst in Ottawa neigte sich schon vor einigen Wochen dem Ende zu. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr war diese Saison jedoch um einiges faszinierender – hatte sich 2018 Ende Oktober schlagartig das Stadtbild von grün in weiß verwandelt, so konnten wir in diesem Jahr den Goldenen Oktober und auch darüber hinaus einen ausgesprochen langen Indian Summer genießen!

Nachdem die heiße Saison mit all ihren Festivals und Outdoor-Aktivitäten zuende ging, das muss so Mitte September gewesen sein, hatte ich schon Bedenken, mit einem frühen Wintereinbruch rechnen zu müssen. Doch nichts dergleichen – die Blätter blieben an ihren Bäumen und begannen, sich in den wildesten Farben zu zeigen. Von Woche zu Woche wurde es bunter: Von knalligem Gelb über strahlendes Orange bis hin zu tiefem Rot und sogar leuchtendem Rosa; die Vielfalt war sehr beeindruckend und vor dem Hintergrund eines meist strahlend blauen Himmels. Auch die Temperaturen hielten sich im angenehmen Bereich oft über 10, an manchen Tagen gar deutlich über 15 Grad, sodass wir auch in der dritten Jahreszeit viel Zeit im Freien verbrachten.

Auf meiner täglichen Radfahrt zur Arbeit.

Erstmals erweiterten wir unseren Radius etwas und erforschten den Gatineau-Park und seine weitläufigen Ahornwälder auf kleinen Wanderungen, während welcher man kaum anderen Menschen begegnet, bewegt man sich mal etwas weiter von den Parkplätzen weg. Wir fuhren viel mit unseren Rädern an den hiesigen Flüssen entlang; die Strecken hatten wir ja bereits im Sommer ziemlich ausführlich ausgekundschaftet, jetzt jedoch machte es fast noch mehr Freude.

Gatineau Park im Herbst. Einzigartige Fahrrad- und Wandervorraussetzungen.

Herbst in Nordamerika bedeutet natürlich auch Halloween. Zur kulturellen Integration gehört sicherlich auch die Anpassung an importierte und kommerzverhunzte Traditionen, und so schmückten wir unser Haus, ließen Kinder in unserer gruseligen Garage nach Süßigkeiten suchen, schnitzten Kürbisse, rösteten die Kerne, kochten Suppe und schauten Horrorfilme mit Freunden. Höhepunkt war sicherlich der Besuch der Saunders Farm; auf einem großen Bauernhof-Gelände etwa 40 Minuten vor Ottawa konnte man stundenlang im Dunkeln durch verhexte und verfluchte Scheunen, Felder, Zelte schlendern und sich mehr oder weniger zu Tode erschrecken lassen. Ziemlich spaßig, wenn man sich einmal darauf einlässt.

Das Ergebnis eines nachmittäglichen Kürbis-Schnitzens.

Die erste kurze Winterüberraschung kam dann Anfang November in Form von 15cm Schnee über Nacht. Etwas später als im letzten Jahr, und glücklicherweise auch nur temporär. Der Schnee taute in den folgenden Wochen wieder, und obwohl die Temperaturen im einstelligen und teils auch negativen Bereich blieben, war es dann zumindest meist sonnig, trocken und schneefrei. Erst jetzt, Anfang Dezember, ist wohl endgültig Schluss mit herbstlichen Temperaturen und wir werden wohl die nächsten 5 Monate zumindest hier in Ottawa nur noch weiß sehen. Allerdings passen wir uns auch in einer weiteren Weise den Lebensgewohnheiten vieler Kanadier an: wir versuchen, den kalten Monaten wenigstens teilweise zu entfliehen, indem wir ein paar Wochen im Winter sowohl in Neuseeland als auch in Kalifornien und Florida verbringen.

Die ersten Anzeichen des Winters. Dieses Jahr werde ich allerdings jeden Tag zur Arbeit radeln!

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