Den ersten Winter überlebt

Ottawa, die siebtkälteste Hauptstadt der Welt, machte dem vergangenen Winter alle Ehre. Schnee von November bis April, teilweise meterhoch, monatelange Minusgrade. Mein erster Winter hatte es in sich und dauert gewisserweise auch jetzt noch, Mitte Mai, ein wenig an. Soviel Winter hatte ich noch nie, und so einiges hier fühlte sich recht skurril an. Zum Frühlingsanfang hier mal ein Auszug meiner ersten Wintereindrücke.

Eislaufen auf dem Kanal

Definitiv ein Highlight Ottawas, insbesondere im Winter, ist der Rideau Kanal. Im Dezember gefriert er, und dient über mehrere Monate als die größte Eisbahn der Welt – auf fast 8 Kilometern Länge lässt sich insbesondere in den frühen Morgenstunden die angenehme Seite des Winters genießen. Und dann auch noch vollkommen gratis! Der Kanal ist 24 Stunden am Tag befahrbar, und das Eis wird regelmäßig erneuert. Dabei fühlt es sich sehr unwirklich an, auf einer kilometerlangen natürlichen Eisbahn dreißig, vierzig Minuten in eine Richtung zu fahren, mit tausenden anderen Skatern, und vorbei an “Rastplätzen”, wo man sich am Feuer wärmen oder kulinarisch stärken kann.

Video: Viel Spaß auf dem Kanal und seinen acht Kilometern Eisfläche

Schneetransporte

Es schneit sehr viel in Ottawa’s Winter. Auch gerne mal 40cm über Nacht. Und es taut nicht vor Mitte April. Das heißt, irgendwann steht der Schnee meterhoch, an den Straßenrändern teilweise bis zu vier Meter, und die Stadt beginnt, die Massen regelmäßig abzutransportieren. Ein extrem skurriler Anblick, wenn riesige Schneefräsen überall in der Stadt das weiße Katastrophenpulver auf unzählige LKW und diese jenes auf Schneehalden außerhalb der Stadt transportieren. Besonders skurril wird es dann, wenn man nachts um zwei von Lärm und Licht geweckt wird, weil vor dem Fenster das Snow-Removal-Team die Straßen räumt.

Video: Sobald der Schnee überhand nimmt, wird mit der Entfernung begonnen. Mitten in der Nacht wird mit schwerem Gerät angerückt.

Winterlude Festival

Der Winter wird in der kanadischen Hauptstadt zelebriert. Jährlich steht das zweiwöchige Winterlude-Festival im Februar an. Besonders skurril hier: Outdoor-DJs und tanzen bei -20 Grad, Eisskulpturen-Wettbewerbe, sowie riesige Schnee-Kunstwerke. Auch ein Drachenbootrennen fand statt – auf dem zugefrorenen Dow’s Lake!

Video: Drachenboot-Rennen auf einem gefrorenen See - viel skurriler wird es nicht.

Alles weiß, alles Eis

Die schieren Schnee- und Eismassen sind tatsächlich beeindruckend. Nach ein paar Wochen sind nicht rechtzeitig umgeparkte Autos komplett zugeschneit, der Schneehaufen neben unserer Einfahrt hatte sich Ende Februar auf mehrere Meter getürmt, An Häusern bildeten sich Eiszapfen größer als Christina, mitten in der Stadt sieht man Menschen mit Langlauf-Ski, Kollegen kommen per Schlittschuh zur Arbeit, die Fahrradläden verwandeln sich in Wintersport-Ausrüster, und wenn es sich mal auf nur wenige Grad unter Null erwärmt glaubt man, der Frühling bricht ein.

Video: Soviel Schneespaß wie man sich nur vorstellen kann

Im Mai ist’s vorbei

So interessant die lange Wintersaison im Süden Ontarios auch sein mag, sie ist vor allem eines: lang. Der erste Schnee im November und dann über fünf Monate fast durchgängig Minusgrade ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Gegen einen knackigen Winter an sich ist ja nichts einzuwänden – aber muss der dann auch fast ein halbes Jahr lang andauern? Ich bin sehr gespannt auf die kommende Wintersaison. Noch ßmehr allerdings auf die kurze Jahreszeit dazwischen!

Noch mehr Winter-Eindrücke gibt es in der Galerie: Ottawa im Winter.

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