Ein gewisser zeitlicher Aufwand

Letztens habe ich in einer Sport-Dokumentation gehört, dass Triathlon die trainingsintensivste Sportart überhaupt ist. So irgendwie war mir das schon immer klar, aber mittlerweile, in der ersten Phase der konkreten Vorbereitung auf meine erste Langdistanz, wird es mir auch richtig bewusst. Ich trainiere zwar bereits seit einigen Jahren ziemlich viel, aber so langsam ringt mir das Trainingsvolumen eine höhere Disziplin ab – dabei ist Training allein noch nicht einmal alles.

Hier daher mal eine Übersicht, welchen wöchentlichen zeitlichen Aufwand ich momentan in meine Ironman-Vorbereitung stecke.

Training der Kerndisziplinen und Athletik

Die meiste Zeit verbringe ich beim Training der drei Kernsportarten – Schwimmen, laufen, Rad fahren. Dazu kommen Einheiten zum Aufbauen der Kernmuskulatur und ausführliches Dehnen. Ich trainiere an sechs Tagen die Woche, jeweils ein- bis zweimal, und komme damit momentan auf etwa 12 Wochenstunden. Momentan sieht eine typische Trainingswoche wie folgt aus:

Unmittelbare Vor- und Nachbereitung

Jede Trainingseinheit bringt unmittelbare Vor- und Nachbereitung mit sich: Sportsachen heraussuchen und packen, zum Fitnessstudio laufen, umziehen. Nach der Einheit duschen, zurücklaufen, Klamotten aufhängen oder waschen. Das sind gut und gern 20 Minuten pro Stunde Training obendrauf, also noch einmal etwa 3,5 Stunden pro Woche.

Datenerfassung

Die Messung des Trainingsfortschritts gehört ebenso dazu. Herzschlag, Leistung, Geschwindigkeit, Distanz, Schritt- und Trittfrequenz, gefühlte Erschöpfung, Belastung – alles wird irgendwie erfasst und gemessen. Ich nutze multiple Apps (Strava, Runalyze, Excel, Google Sheets, Suunto Movescount, Zwift, Trainingpeaks) um Werte zu erfassen und deren Entwicklung zu verfolgen. Das Spielen mit den Zahlen hat einerseits Einfluss auf die Trainingsplanung durch meinen Coach, andererseits bereitet es mir Spaß und Motivation, meine täglichen, wöchentlichen und jährlichen Leistungen zu vergleichen. Wöchentlicher Zeitaufwand hierfür: etwa 1,5 Stunden pro Woche.

Technisches Setup

Dieser Teil bereitet mir als absoluter Nicht-Handwerker die wenigste Freude: Reparaturen und Wartung am Rad durchführen, kleinere technische Probleme am Setup lösen, mit Support-Teams in Kontakt treten, falls mal wieder eines der tausend Bluetooth-Geräte nicht erkannt wird. Durch das saisonbedingte Indoor-Training hält sich das ganze zurzeit in Grenzen, aber sobald es wieder raus auf die Straße geht und mein Rad wieder regelmäßig geputzt, gewartet und repariert werden muss, wird dieser Anteil steigen. Auf ein Jahr gerechnet schätze ich einen wöchentlichen Aufwand von durchschnittlich etwa 1 Stunde.

Die Einrichtung meines Rades auf dem Smart-Trainers; nicht nur einer, sondern zwei, wegen anfänglicher Defekte.

Information und Kommunikation

Sehr viel Zeit verbringe ich damit, mich über die unterschiedlichsten trainings- und wettkampfrelevanten Themen zu informieren. Ich lese Erfahrungsberichte anderer Triathleten, schaue mir Wettkampfberichte an, lausche Trainings-Podcasts, lese in Triathlon- und Laufbüchern, versuche anhand von Übungsvideos bestimmte Schwimmtechniken einzuprägen, stelle Fragen in verschiedenen Facebook-Gruppen. Ich kommuniziere mit meinem Coach über Trainingsinhalte, tausche mich mit anderen Triathleten in der digitalen Welt aus. Ich erkundige mich im Netz über neue technische Spielereien wie Watt-Messer, Sportuhren, Radcomputer und AR-Sonnenbrillen, suche nach dem möglicherweise nächsten Fahrrad (oder wenigstens neuen Laufrädern, Sattel, Lenker…), schaue nach möglichen Wettkampfteilnahmen im Laufe der Saison, erkundige mich nach Ernährungstipps für Training und Rennen.

Ein Großteil dieser Recherchen passiert nebenbei im Bus, vorm Einschlafen, auf der Couch vor dem Fernseher, aber nimmt dennoch einen großen Teil meiner Freizeit ein; geschätzt etwa 4 Stunden pro Woche.

Shopping

Normalerweise bin ich ja nicht so ein großer Fan des Einkaufens, wenn es aber um sportliches Equipment geht, kann es nie genug sein. Was habe ich schon an Zeit damit verbracht, durch Radgeschäfte und Sportläden zu schlendern, neue Laufschuhe anzuprobieren (mindestens 2 Paar pro Jahr laufe ich durch…), Schwimmbrillen aufzusetzen, Funktionskleidung zu suchen. Das können gern im Schnitt 2 Stunden pro Woche werden!

Somit komme ich auf deutlich über 20 Stunden, die ich jede Woche direkt oder indirekt mit der Vorbereitung auf die erste Triathlon-Langdistanz verbringe. Wenn im Frühjahr die Trainingsumfänge noch deutlich erhöht werden, könnten das bestimmt knapp 30 Stunden pro Woche werden. Ironmantraining ist definitiv kein harmloser Zeitvertreib, sondern erfordert durchaus Disziplin, Leidenschaft, Motivation, Durchhaltevermögen und, noch viel wichtiger, eine verständnisvolle Ehefrau.

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