Oberelbe-Marathon 2023

Gesamtbewertung: 8/10 Detailbewertungen am Ende des Berichts | Vergleich aller Wettkämpfe

Die Marathonsaison 2023 sollte mit einem Rennen beginnen, das mir schon länger im Kopf herumschwirrt: Der Oberelbe-Marathon. Eine Punkt-zu-Punkt-Strecke entlang der Elbe in Ostdeutschland, von Königstein nahe der tschechischen Grenze bis nach Dresden, der Hauptstadt von Sachsen. Die Veranstaltung versprach eine flache Strecke, schöne Ausblicke und ein unvergessliches Gesamterlebnis. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Berge und Schlösser

Punkt-zu-Punkt-Rennen haben den Nachteil, dass man entweder morgens zur Startlinie fahren muss oder nach dem Rennen zurück. Heute war ersteres der Fall, und eine einstündige Autofahrt lag vor uns. Ich war für ein paar Tage in Deutschland zu Besuch und wohnte im Haus meines Vaters in Lichtenwalde. Er bot freundlicherweise eine Mitfahrgelegenheit an, da er selbst an dem Spektakel interessiert war, wenn auch eher als Beobachter denn als Teilnehmer. Dies ist der östlichste Teil Deutschlands, Teil des Erzgebirges. Die Fahrt weiter nach Osten über meist ruhige und windige Landstraßen wurde immer malerischer, je näher wir Königsteinkamen. Eine Kleinstadt mit etwas mehr als 2000 Einwohnern, direkt an der Elbe und unterhalb einer berühmten 400 Jahre alten Festung gelegen, die sich mehr als 200 Meter über den Fluss erhebt. Dieser Teil des Erzgebirges wird als Nationalpark Sächsische Schweiz Bezeichnet und ist bekannt für seine einzigartigen Sandsteinformationen. Ich habe viele meiner Jugendtage in dieser Gegend verbracht, beim Wandern, Bouldern und Klettern. Aber noch nie war ich hier gelaufen und freute mich, nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder einen Besuch abstatten zu können.

Der Startplatz an der Elbe und mit Blick auf die Festung Königstein im Hintergrund

Das Zuschauerboot

Den Oberelbemarathon gibt es seit fast einem Vierteljahrhundert und das Rennen findet jährlich im April statt. Die Strecke folgt dem Elberadweg von Königstein bis nach Dresden und ist fast komplett autofrei. Rund 600 Läuferinnen und Läufer hatten sich für die volle Distanz von 42,2 Kilometern angemeldet und versammelten sich im Startbereich. Es war kurz nach 8:45 Uhr, als mein Vater und ich ankamen, und es blieb noch genügend Zeit, um die Atmosphäre zu genießen und einige Fotos von der Umgebung zu machen, bevor es losging.

Ein Boot für die Zuschauer folgte den Läufern den Fluss hinunter bis nach Dresden.

Einzigartig an dieser Veranstaltung ist das Boot, das den Läufern auf dem Fluss bis zum Ziel folgt und den Zuschauern die Möglichkeit gibt, den Marathon aus einer anderen Perspektive zu erleben als bei wohl den meisten anderen Marathonveranstaltungen. Zwanzig Minuten vor dem Start begannen Angehörige und Freunde der Athleten das Boot zu besteigen, während die Teilnehmer sich in ihre Startaufstellung begaben. Ich war mir nicht wirklich sicher, was ich mir vornehmen sollte. Ich hatte kein bestimmtes Ziel vor Augen und beschloss kurz vor dem Start, dass ich bei meinem ersten Marathon in diesem Jahr versuchen würde, eine Zeit von unter 3:20 Stunden zu erreichen, was einer Geschwindigkeit von etwa 4:40 Minuten pro Kilometer bedeuten würde.

600 Läufer starten um 9:20 Uhr bei nahezu perfekten Marathonbedingungen

10 Kilometer Natulauf

Um 9:20 Uhr startete das Rennen bei blauem Himmel und einer Lufttemperatur von angenehmen 14ºC. Ich hatte mich schnell an mein Tempo gewöhnt, wissend, dass 4:40 für mich relativ erträglich sein würde. Der Weg war zu Beginn etwas eng für das relativ große Läuferfeld, und die ersten Minuten waren gestalteten sich wie so oft bei diesen Großveranstaltungen leicht stressig. Es dauerte aber nicht allzu lange, bis sich alle weit genug verteilt hatten, so dass jeder Läufer seinen eigenen Platz fand. Die ersten zehn Kilometer waren ein wahres Vergnügen. Naturlauf vom Feinsten. Vorbei an kleinen Schaf- und Hühnerherden und durch verschlafene, gemütliche Dörfer, in denen die wenigen einheimischen Zuschauer nicht sicher zu sein schienen, ob sie vorsichtig anfeuern oder eher skeptisch auf die ungewohnte Läuferschar blicken sollten, die allesamt in bunte Ausrüstung gekleidet waren; ein Anblick, der wahrscheinlich nur an diesem speziellen Tag zu beobachten war. Eine ganz andere Mentalität als in Nordamerika!

Der Weg wechselte immer wieder die Seite mit den Bahngleisen

Die Strecke erwies sich anfangs als etwas hügelig. Obwohl wir dem Fluss folgten, befanden wir uns noch immer inmitten in eines Gebirges und es ging immer wieder leicht hoch und runter. Der größte Teil des Weges aber war asphaltiert, mit einigen gelegentlichen Abschnitten aus Schotter, die leicht zu laufen waren. Wir liefen links des Flusses, und die Aussicht auf der rechten Seite war spektakulär. Das Elbsandsteingebirge (dieser Teil der Sächsischen Schweiz hat eindrucksvolle Aussichten zu bieten; eine davon auf die BasteiEine Felsformation, die sich fast 200m über die Elbe erhebt, kurz vor der 7-km-Marke. Noch zu Beginn des Laufs fühlten sich meine Beine frisch an und mein Kopf war überwältigt von den visuellen Reizen, die mich umgaben.

Die berühmte Bastei Felsformation, die aus der Ferne von anderen Seite der Elbe aus sichtbar war. Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de (CC BY-SA 3.0 DE)

Ein kurzer Ausflug nach Pirna

Erst nach der Hälfte der Strecke änderte sich das Profil der Strecke ein wenig. Das Gelände wurde etwas flacher und insgesamt weitläufiger, als es in die Stadt Pirna ging und die Strecke einen kleinen Abstecher weg vom Elberadweg direkt ins Stadtzentrum machte. Musikalische Darbietungen, einheimische Zuschauer, die deutlich besser gelaunt waren als die zuvor beschriebenen, und bergauflaufen auf Kopfsteinpflaster erwarteten die Läufer. Die Abwechslung war sehr willkommen, denn bis zum Einlaufen in die sächsische Landeshauptstadt Dresden war es noch ein ganzes Stück.

Läufer und ihr Versuch, die Pflastersteine so gut es geht zu meiden

Mein Tempo war immer noch sehr konstant bei knapp unter 4:40min/km und meine Uhr zeigte 1h39m an, als ich die Halbmarathonmarke überquerte. Da ich noch keine Beschwerden verspürte und die Herzfrequenz im niedrigen 160er-Bereich lag, war ich zuversichtlich für die nächsten 21 Kilometer. Im Vergleich zu früheren Marathons und angesichts der insgesamt sehr flachen Strecke war meine Tempowahl relativ konservativ, und ich wollte bei diesem ersten Rennen des Jahres ohnehin keine persönliche Bestleistung aufstellen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass man stundenlang laufen und dabei buchstäblich alles genießen kann!

Schön flach entlang des Flusses und durch kleine Dörfer, aber sobald der Weg den Fluss verlässt, wird es etwas hügelig

Ab nach Dresden

Im Gegensatz zu vielen anderen Läufen hatte ich bei diesem nie eine größere Herausforderung zu bewältigen, nicht einmal jenseits der 30-km-Marke. Mein Tempo wurde sogar etwas schneller, als ich in die Außenbezirke von Dresden kam, die mir alle sehr vertraut waren. Ich habe eine Zeit lang in dieser Stadt gelebt, kurz nachdem ich 2010 mein Studium beendet hatte. Damals bin ich überhaupt nicht gelaufen, habe meine Umgebung lediglich auf dem Fahrrad erkundet und dieser Radweg war mir sehr vertraut.

Die historische Altstadt Dresdens, hier von der gegenüberliegenden Seite aus gesehen am Tag vor dem Rennen

Ich hatte bereits Schloss Pillnitz auf der anderen Seite des Flusses bei Kilometer 28 passiert und war nun nahe der Brücke Blaues Wunder , welche in meinen Augen den letzten Streckenabschnitt bis in die Innenstadt markierte. Die finalen fünf Kilometer wurden immer besser. Die Zuschauer feuerten lautstark an, die Musikstationen wurden häufiger, und der Anblick der historische Skyline der Stadt, von der Frauenkirche und beeindruckenden Brücken machten den normalerweise schwersten Teil eines langen Rennens geradezu erträglich. 

Als die Ziellinie in Sicht war, konnte ich es kaum glauben, dass ich gerade einen Marathonlauf ohne ernsthafte körperliche oder mentale Herausforderungen mit einer respektablen Zeit von 3 Stunden und 18 Minuten beenden würde. Mein drittbestes Ergebnis nach dem Ottawa- und dem Hamilton-Marathon im letzten Jahr, aber ohne vergleichbare Strapazen. Der Zielbereich war in einem Leichtathletik-Stadion unter freiem Himmel eingerichtet, das den Läufern und Zuschauern genügend Platz bot, ihre Leistungen zu feiern und Energie zu tanken. Zwei Freunde aus der Mittelschule waren den Halbmarathon gelaufen, und der Austausch unserer eigenen Laufgeschichten, nachdem wir uns jahre- oder sogar jahrzehntelang nicht mehr gesehen hatten, machte dieses Zielerlebnis noch spezieller.

Ein zufriedener Marathonläufer nach seinem ersten Negative Split (zweite Hälfte schneller als die erste)

Statistiken

Gesamtstrecke: 42.2km
Gesamtzeit: 3:17:50
Herzfrequenz: 166
Gesamte Höhe: 100m
Verbrannte Kalorien: 2800
Konsumierte Kalorien: [nicht aufgezeichnet]
Flüssigkeit aufgenommen: [nicht aufgezeichnet]


Oberelbe-Marathon

Dresden, Germany

Overall rating

2023

600

Spring

Punkt-zu-Punkt

9:20AM

Flat (100m)

15ºC

Asphalt

Individual ratings*

Spectators

Scenery & views

On-course nutrition

Overall organization

Medal design

Finisher shirt

none available

Timing and splits

Value

What stood out

Running along the Elbe river through nature and small little villages and and having both, natural and architectural wonders along the way was just really spectacular. It's an overall flat course that never gets boring.

*Einzelne Bewertungen: Details siehe unten

Die Bewertungen sind sehr subjektiv sind und basieren nur auf dem letzten Lauf, den ich persönlich durchgeführt habe. Einige Dinge wie das Design der Medaille oder des Finisher-Shirts können von Jahr zu Jahr stark schwanken.

Zuschauer: Wie viele Zuschauer entlang der Strecke? Wie viel Action und willkommene mentale Ablenkung für die Läufer, insbesondere in der zweiten Hälfte der Strecke, wurde geboten? Höhere Bewertungen für mehr Zuschauer, Action, Musik, etc.
Strecken-Verpflegung: Anzahl der Wasserstationen und Vielfalt des Nahrungsangebots.
Medaillen-Design: Wichtige Aspekte für mich: Spiegelt die Medaille in gewisser Weise den Ort oder die Strecke wider? Zeigt sie die Distanz und das Datum der Veranstaltung? Hat sie eine angemessene Größe und Form? Wie kreativ ist das Design? Sieht sie billig aus?
Zeitmessung: Wie viele Zeitmessmatten gab es auf der Strecke? Gab es Zeitmessungsmatten in Schlüsselbereichen, um Abkürzungen zu verhindern und Zeitsplits zu ermöglichen?
Umgebung/Aussicht: Wie viel visuelle Ablenkung und Staunen bekommt man als Läufer auf der Strecke? Normalerweise bieten Ein-Runden- oder Punkt-zu-Punkt-Läufe mehr Abwechslung im Vergleich zu Strecken mit mehreren Schleifen. Ich schätze natürliche Landschaften mehr als Industrie- oder Vorstadtgebiete.
Organisation insgesamt: Wie gut war die Veranstaltung insgesamt organisiert? Inklusive Kommunikation vor und nach dem Event, verfügbare Streckeninformationen, Expo, Neben-Events, Ansagen vor und nach dem Rennen, Start- und Zielbereich, usw.
Finisher-Shirt: Das Design des Shirts, die Art des Stoffes, ist es voll von Sponsoren?
Wertigkeit: Was man bekommt gegenüber dem was man bezahlt hat. Manche Rennen sind super teuer und man bekommt nicht einmal ein T-Shirt, andere sind preiswert und beinhalten sogar eine Pasta-Party am Vortag. Hohe Bewertungen bedeuten entweder billigen Eintritt oder viele Goodies.

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