{"id":1656,"date":"2019-08-24T07:36:05","date_gmt":"2019-08-24T07:36:05","guid":{"rendered":"http:\/\/followfichte.com\/?p=1656"},"modified":"2024-04-11T15:18:21","modified_gmt":"2024-04-11T15:18:21","slug":"five-days-ironman-mont-tremblant-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followfichte.com\/de\/five-days-ironman-mont-tremblant-2019\/","title":{"rendered":"Ironman Mont-Tremblant 2019"},"content":{"rendered":"<p><strong>Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal die Ironman-WM auf Hawaii im Fernsehen verfolgt hatte, war es f\u00fcr mich schlichtweg unvorstellbar, dass Menschen eine solche Leistung vollbringen k\u00f6nnen: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren, und anschlie\u00dfend noch einen kompletten Marathon von \u00fcber 42 Kilometern laufen. Das Ganze am St\u00fcck, an einem einzigen Tag innerhalb von maximal verf\u00fcgbaren 17 Stunden. An diesem Tag hatte es mich gepackt, das Triathlonfieber, und f\u00fcr einige Jahre bis heute nicht mehr losgelassen. Und seit letztem Sonntag darf ich selbst von mir behaupten:&nbsp;<\/strong><em><strong>I am an Ironman!<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1698 alignnone\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/race-in-numbers.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/race-in-numbers.png 800w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/race-in-numbers-300x119.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/race-in-numbers-768x304.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Mein Rennen in Zahlen. Etwas \u00fcber zw\u00f6lf Stunden entsprach vollkommen meinen Erwartungen. Wie es genau lief und welche H\u00f6hen und Tiefen es gab, berichte ich weiter unten ausf\u00fchrlich in allen Details.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Angemeldet hatte ich mich f\u00fcr die Ironman-Veranstaltung in der kanadischen Provinz Quebec bereits vor etwa zehn Monaten. Seitdem habe ich beinahe Tag f\u00fcr Tag trainiert, durchschnittlich etwa 14 Stunden pro Woche abwechselnd im Wasser, auf dem Rad, oder in meinen Laufschuhen verbracht. All die Anstrengungen, die Disziplin, der Verzicht, das fr\u00fche Aufstehen w\u00e4hrend der letzten zw\u00f6lf Monate gipfelten nun schlie\u00dflich in einer im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Wettkampfwoche in Mont-Tremblant, Quebec, Kanada; und sie waren es wert. So viele Eindr\u00fccke, so viele Erfahrungen in nur f\u00fcnf Tagen - wer m\u00f6chte, kann diese in den folgenden Abs\u00e4tzen versuchen leserlich nachzuvollziehen <em>(ca. 7200 W\u00f6rter, 55 Minuten Lesedauer - die sich bestimmt lohnt).<\/em><\/p>\n<p>Wer nicht gerne liest, der kann <span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=51uZZrUIUzk\">hier ein paar Video-Eindr\u00fccke sammeln<\/a><\/span> (unsere Amateuraufnahmen) oder <span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/IRONMANMontTremblant\/videos\/2553036451578367\/\">hier den professionellen Edit anschauen<\/a> <\/span>(Facebook-Video des Veranstalters. Ich komme leider nicht darin vor).<\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Inhalt:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"#Thursday: Arriving in Mont-Tremblant\">Donnerstag: Ankunft in Mont-Tremblant<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"#Friday: Eat and brief\">Freitag: Essen und besprechen<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"#Saturday: Final preparations\">Samstag: Letzte Vorbereitungen<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"#Sunday: The race\">Sonntag: Der Wettkampf<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"#Monday: The day after\">Montag: Der Tag danach<\/a><\/span><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"Thursday: Arriving in Mont-Tremblant\">Donnerstag: Ankunft in Mont-Tremblant<\/h3>\n<p>Seit einigen Tagen ging ich nun schon meine endlos lange Liste der Dinge durch, die ich einpacken musste. \u00dcber 100 Gegenst\u00e4nde\u2026. vom Fahrrad und der dazugeh\u00f6rigen Ausr\u00fcstung, \u00fcber den Neoprenanzug, Verpflegung, Werkzeug und Kleidung, Ersatzteile. Donnerstagvormittag war das Auto randvoll gepackt und wir machten uns bei vielversprechendem Augustwetter und guten Aussichten auf den etwa zweist\u00fcndigen Weg von Ottawa, Ontario in Richtung Nordosten nach Mont-Tremblant, Quebec. Wie komfortabel, nur 180 Kilometer entfernt vom Wettkampfort zu wohnen! Die meisten anderen Athleten hatten ungleich l\u00e4ngere Strecken mit Auto oder gar Flugzeug zu bew\u00e4ltigen, \u00fcber die H\u00e4lfte reisten aus 40 unterschiedlichen Staaten der USA an, viele andere auch von noch weiter entfernten Gegenden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1665 alignnone\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/monttremblant-village.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/monttremblant-village.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/monttremblant-village-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/monttremblant-village-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><i>Bild oben: Mont-Tremblant ist ein malerisches kleines Touristenst\u00e4dchen. Im Winter Ski-, im Sommer Sport- und Wandertourismus.<\/i><\/span><\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag kamen wir im Ironman-Village an. Bestes Wetter im Touristendorf, welches recht offensichtlich den gr\u00f6\u00dften Ansturm im Winter hat. Es gibt mehrerer Skilifte im Ort, und alles ist zu Fu\u00df erreichbar. Unter dem blauen Himmel und seinen vereinzelten wei\u00dfen Wolken wirkten die bunten H\u00e4user und sauberen Gassen wie aus einem \u00fcberzeichneten Kunstfilm.<\/p>\n<p>Unverkennbar war Rennwochenende \u2013 an jeder Ecke das Ironman-Branding, mittendrin ein riesiges Zelt wo sp\u00e4ter alle m\u00f6glichen Veranstaltungen und am Sonntag die Wechselzonen eingerichtet wurden. Einige Athleten waren schon da und erkundeten gemeinsam mit ihren Familien den malerischen Ort. Wir schlenderten umher, machten uns mit den Gegebenheiten vertraut und besuchten die Ironman-Expo; nat\u00fcrlich nicht ohne ein paar \u00fcberteuerte Souvenirs in Form von Sportbekleidung mitzunehmen.<br \/>\nNachdem auch die Startunterlagen abgeholt waren, checkten wir im Hotel ein \u2013 etwa f\u00fcnf Kilometer entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens. Wie die genaue Logistik am Sonntagmorgen aussehen w\u00fcrde, mussten wir uns w\u00e4hrend der kommenden Tage noch \u00fcberlegen.<br \/>\nEin lockerer Lauf f\u00fcr etwa 30 Minuten rundete den Abend ab \u2013 nun galt es, m\u00f6glichst viel auszuruhen und Schlaf zu bekommen.<\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"Friday: Eat and brief\">Freitag: Essen und besprechen<\/h3>\n<p>First thing on Friday after the breakfast was a last short bike ride before the actual race.&nbsp; Easing the legs, checking the setup, and having a look at the track. I rode one round of the running course and met some others who had a similar idea.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1667\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/technik-check.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/technik-check.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/technik-check-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/technik-check-768x430.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><i>Bild oben: Ein letzter Check der Technik am Rad im Hotelzimmer. Am n\u00e4chsten Tag musste es in der Wechselzone abgegeben werden.<\/i><\/span><\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag fand das <i>Ironman Banquet<\/i>statt \u2013 \u00fcber 2000 Menschen wurden gleichzeitig im gro\u00dfen Veranstaltungszelt mit warmen Abendessen eines lokalen Caterers versorgt. Die Auswahl war in Ordnung (Salat, Nudeln, Fisch, Kartoffeln, Br\u00f6tchen, H\u00fchnchen), die Qualit\u00e4t war ok. Im Anschluss an die Mahlzeit wurde das obligatorische <i>Athlete Briefing<\/i>was scheduled: Many organizational announcements regarding the next two days, the most important race rules were explained once more, along with the respective penalties. At this point I realized the first time that I am actually in the middle of final Ironman preparations. So many things had to be considered: when and where which of our five transition and special needs bags had to be dropped off; which penalties were given for which violation, like drafting, littering, blocking, or passing in no-passing zones. Which checkpoints had to be passed to make the cut-offs; locations of all the aid stations; order of nutrition served at those stations. Most of it was already known to me. But still, being confronted with all of that information was overwhelming and my joyful anticipation increased as much as my respect for the competition itself.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1668\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/athlete-briefing.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/athlete-briefing.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/athlete-briefing-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/athlete-briefing-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Picture above: Final athlete briefing after a joint dinner within the large event tent. Also in the picture: this year\u2019s oldest competitor \u2013 75 years old! (bottom left). Two days later he\u2019d finish his 50th Ironman and it took im about 16 hours.<\/em><\/span><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"Saturday: Final preparations\">Samstag: Letzte Vorbereitungen<\/h3>\n<p>Es hei\u00dft, die vierte Disziplin im Triathlon ist der \u00dcbergang zwischen den Sportarten. In der Wechselzone bereitet sich der Athlet auf die jeweils n\u00e4chste Disziplin vor \u2013 nach dem Schwimmen aufs Rad fahren, und anschlie\u00dfend aufs Laufen. Entsprechend m\u00fcssen die Wechselzonen am Tag vor dem Wettkampf eingerichtet werden. In jeweiligen Plastikbeuteln, versehen mit der eigenen Startnummer, verstaut man alles was man braucht: Helm, Radhandschuhe, Sonnencreme, Essen und Trinken, Radschuhe, Laufschuhe, Socken, Handtuch, Sonnenbrille, M\u00fctze usw. Es gibt einen Beutel f\u00fcr Wechselzone 1 und einen weiteren Beutel f\u00fcr Wechselzone 2.<br \/>\nI had very carefully packed my bags already yesterday, based on a long and exhaustive list I created on my computer, listing all the items I would need at different stages of my race. Triathlon is a logistical nightmare!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1670\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselbeutel.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselbeutel.png 873w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselbeutel-300x167.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselbeutel-768x428.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><i>Bild oben: Die blauen Wechselbeutel f\u00fcr das Rad fahren, sortiert nach Startnummer. Im Hintergrund die eigentlichen Wechselbereiche. Auf der anderen Seite das gleiche nochmal mit den roten Wechselbeuteln f\u00fcr's Laufen. Am Tag zuvor fand hier noch das Briefing statt.<\/i><\/span><\/p>\n<p>The bike also needed to be dropped-off to the transition area on Saturday. It was only on Saturday morning that I remembered to check my tyres for potential damages like small pieces of glass or stone; never done that before, so now was probably a good time. The front tyre looked good, but it was the back tyre where I found a small glass particle deep into the rubber, which couldn\u2019t be removed. The same tyre also had a small cut on its side that did not look very promising. Was that a serious issue? Would the tyre hold its air for another 180 kilometers? Was I just getting a bit nervous? Normally, I\u2019d not have bothered much. 20 hours before competing in an Ironman is a different situation, though, and I started imagining all different kind of nasty scenarios caused by a damaged tyre during the race. The fact that our hotel room window was directly above a neighbouring bike shop seemed to be an obvious sign, though. So even though that shop seemed to be quite busy fixing everyone\u2019s too late discovered little issues, I decided to get in line for a new tyre. It was 10AM, and there were still six hours left until transition would close. Waiting in line didn\u2019t take long at all and the bike mechanic smartly confirmed my concerns and quickly changed the tyre. I was calmed down, and so was my fear of technical defects during tomorrow\u2019s event.<\/p>\n<p>Nach einem fr\u00fchen und entspannten Abendbrot am See machten wir an diesem Tag die Schotten schon gegen halb neun dicht; an tiefen Schlaf war jedoch nicht zu denken. In sieben Stunden w\u00fcrde der Wecker so fr\u00fch klingeln wie w\u00e4hrend der ganzen Trainingsmonate nicht\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1671\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/abendbrot.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/abendbrot.png 874w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/abendbrot-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/abendbrot-768x431.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><i>Bild oben: Ein letztes Mal in Ruhe Kalorien tanken beim Abendbrot am See, Samstag vor dem Rennen. Nicht unbedingt die ges\u00fcndeste Auswahl, aber das war ja noch nie meine St\u00e4rke.<\/i><\/span><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"Sunday: The race\">Sonntag: Der Wettkampf<\/h3>\n<p><strong>3:30 Uhr!<\/strong><\/p>\n<p>Viel hatte ich wirklich nicht schlafen k\u00f6nnen in der letzten Nacht vor dem Wettkampf. Tausend Sachen schwirrten durch meinen Kopf \u2013 pl\u00f6tzlich fallen einem unheimlich wichtige Dinge ein, die man noch h\u00e4tte packen k\u00f6nnen. Sind die Laufschuhe im richtigen Beutel? Ist genug Werkzeug am Fahrrad? Gen\u00fcgt ein einziger Ersatzschlauch? Der Wecker war die Erl\u00f6sung aus dem gr\u00fcbelnden Halbschlaf, der Wettkampftag brach an \u2013 heute w\u00fcrde sich zeigen, ob ich das Zeug zur Langdistanz habe!<\/p>\n<p>Die Logistik des Wettkampfmorgens hatten wir gut durchgetaktet: Die vorbereitete Verpflegung aus dem K\u00fchlschrank holen und in die ebenfalls vorbereiteten Beutel packen. Letzter Vollst\u00e4ndigkeits-Check der Schwimmsachen. Triathlonanzug anziehen. Alles ins Auto packen und gegen vier Uhr ans Fr\u00fchst\u00fccksbuffet im Hotel. Das Toastbrot mit Butter und Honig hatte so seine Schwierigkeit, in meinen noch schlafenden Magen zu gelangen, nur der Kaffee half etwas. Drau\u00dfen war es noch stockfinster als wir ins Auto stiegen um hoffentlich noch einen der besseren Parkpl\u00e4tze in der N\u00e4he der Wechselzonen zu bekommen und nicht auf einen Bus-Shuttle angewiesen sein zu m\u00fcssen. Die Strategie ging auf; wir schnappten im Dunkeln das Gep\u00e4ck und liefen nur f\u00fcnf Minuten bis zur Wechselzone. Die Stimmung war genial \u2013 nicht hektisch, eher besonnen, leichte Anspannung, viel Konzentration. Es lief ruhige Musik, der Moderator begr\u00fc\u00dfte die bereits zahlreich anwesenden und allm\u00e4hlich immer mehr werdenden Athleten. Der gro\u00dfe Parkplatz mit seinen 2500 abgestellten Fahrr\u00e4dern war halbwegs gut ausgeleuchtet, viele Sportler hatten eigene Kopf- oder Taschenlampen dabei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1674\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselzone-morgens.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselzone-morgens.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselzone-morgens-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/wechselzone-morgens-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Konzentration am Morgen. Die Athleten richten final die Wechselzone ein: Reifen aufpumpen, Bremsen kontrollieren, Technik \u00fcberpr\u00fcfen. Es ist etwa 5:15 Uhr morgens, anderthalb Stunden vor Rennbeginn.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Ich ging zun\u00e4chst ins Wechselzelt, um die \u00fcber Nacht gek\u00fchlte Verpflegung in den jeweiligen Beuteln f\u00fcr sp\u00e4ter zu verstauen. Getr\u00e4nke und Bananen. Anschlie\u00dfend begab ich mich samt Luftpumpe zu meinem Fahrrad. \u00dcber Nacht l\u00e4sst man \u00fcblicherweise etwas Luft aus den Reifen, um einen Platzer zu vermeiden \u2013 es kommt immer wieder mal vor, dass sich voll aufgepumpte Schl\u00e4uche auf dem hei\u00dfen Asphalt am Tag zuvor so sehr erhitzen, dass sie bersten.<br \/>\nAlso pumpte ich Vorder- und Hinterrad auf, befestigte ein paar in Alufolie verpackte K\u00e4sesandwiches an meinem Rahmen, platzierte die Wasserflaschen und Energieriegel. Gl\u00fccklicherweise \u00fcberpr\u00fcfte ich auch noch mal die Einstellung der Bremsbl\u00f6cke und justierte diese neu. Mittlerweile erschienen immer mehr Athleten und jeder hatte sein eigenes Vorbereitungsritual. Eine wirklich knisternde Atmosph\u00e4re, noch immer war es dunkel. Wer wei\u00df, was jetzt jedem Einzelnen so durch den Kopf ging.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1675\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/sportler-karawane.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/sportler-karawane.png 870w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/sportler-karawane-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/sportler-karawane-768x431.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Die Sportler-Karawane von der Wechselzone zum Schwimmstart, etwa 10 Minuten voneinander entfernt. Sp\u00e4ter am Tag mussten wir diesen Anstieg mehrmals entlanglaufen.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Es folgte das so genannte <em>Body Marking.<\/em>Startnummern wurden von freiwilligen Helfern mit schwarzen Markern auf beide Arme und das eigene Alter auf eine der beiden Waden geschrieben, w\u00e4hrend Christina, beste Ein-Personen-Support-Crew der Welt und wettkampferprobtes IronMate, die Luftpumpe zur\u00fcck zum Auto brachte.<br \/>\nAls es langsam hell wurde, begaben wir uns auf den etwa zehnmin\u00fctigen Weg zum Schwimmstart, den Strand am Lac Tremblant, zusammen mit tausenden anderen Sportlern und Angeh\u00f6rigen. Unterwegs zog ich mir den Neoprenanzug \u00fcber, cremte meinen Hals und die Achseln gr\u00fcndlich mit Vaseline gegen die gef\u00fcrchteten Scheuerstellen ein. Am Seeufer wurde es eng, Unmengen von Menschen verabschiedeten sich vor dem Wettkampf voneinander, w\u00fcnschten sich Erfolg, Gl\u00fcck, Durchhaltever\u00f6gen, m\u00f6glicherweise auch ein strapazierf\u00e4higes Verdauungssystem.<\/p>\n<p>Nun war ich auf mich allein gestellt. Ich k\u00e4mpfte mich vor zum angenehm k\u00fchlen Wasser, wo ich noch genug Zeit hatte kurz unterzutauchen und meinen Neo zu fluten. Die Nationalhymne wurde bereits gesungen, die inzwischen ert\u00f6nende Musik war mittlerweile nicht mehr ruhig, sondern schnell und pumpend, und die Anspannung unter Massen in schwarzen Neopren gekleideter K\u00f6rper mit neonfarbenen Badekappen wurde sp\u00fcrbar immer gr\u00f6\u00dfer. Ich reihte mich ein bei meiner angepeilten Zielzeit von 1:20h bis 1:25h, um in wenigen Augenblicken unn\u00f6tige und oft unangenehme \u00dcberholman\u00f6ver im Wasser von vornherein m\u00f6glichst zu vermeiden. Es war jetzt hell, der Blick auf den See klar, aber die Wolken hingen tief \u00fcber den umliegenden Bergen. Kein Wind, kaum Wellen im Wasser, um die 17 Grad Lufttemperatur. Perfekt f\u00fcr eine Runde schwimmen also!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1676\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/vor-dem-schwimmen.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/vor-dem-schwimmen.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/vor-dem-schwimmen-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/vor-dem-schwimmen-768x431.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Guter Dinge vor dem Schwimmstart. Der Neoprenanzug ist halb angezogen. Gut zu erkennen auch die Startnummer auf den Armen. Noch etwa 20 Minuten bis zum Start!<\/em><\/span><\/p>\n<p>Und dann ging es auch schon los \u2013 ein lauter Knall, kurzes Feuerwerk, und die Profi-M\u00e4nner starteten; unter ihnen auch Lionel Sanders aus Kanada, welcher sich heute mit einem zweiten Platz in der Gesamtwertung f\u00fcr die Ironman-WM qualifizieren w\u00fcrde, wo er es schon im Jahr 2017 zum Vizeweltmeister brachte. Nicht lang danach der n\u00e4chste Knall, die Profi-Frauen waren unterwegs; unter ihnen wiederum auch Sarah True, vierter Platz auf der letzten Weltmeisterschaft. Nur wenige Minuten sp\u00e4ter hie\u00df es dann f\u00fcr alle anderen: es gibt kein Zur\u00fcck mehr \u2013 der dritte Knall ert\u00f6nte und der <i>Ironman Mont-Tremblant 2019&nbsp;<\/i>hatte auch f\u00fcr die Altersklasseathleten begonnen; unter ihnen Ludwig Fichte, kompletter Neuling auf der Langdistanz.<\/p>\n<p><b><span lang=\"DE\">Schwimmen: 3,8 Kilometer<\/span><\/b><\/p>\n<p>Es war soweit! Kurz vor sieben Uhr lief ich ins Wasser, zusammen mit \u00fcber 2500 anderen Schwimmern, womit f\u00fcr mich meine bisher mit Abstand gr\u00f6\u00dfte sportliche Herausforderung begann. Ein Mix aus Euphorie, Ungewissheit und Vorfreude \u00fcberkam mich bei den ersten Schritten in den See, die Situation erschien beinahe surreal. Unz\u00e4hlige Male hatte ich mir Videos von genau diesen Momenten angeschaut, jedesmal eine G\u00e4nsehaut bekommen, und jetzt war ich selbst mittendrin \u2013 und vor mir 226 lange Kilometer bis zur Ziellinie.<br \/>\nEs wurde ein so genannter Rolling Start organisiert, mittlerweile Standard im Ironman-Triathlon, um das Teilnehmerfeld etwas auseinanderzuziehen \u2013 alle paar Sekunden wurden sechs Athleten ins Wasser gelassen. Es wurde dennoch recht wild am Anfang f\u00fcr jemanden der es gewohnt war, im Training eine ganze Bahn im Pool f\u00fcr sich allein zu haben. Ich versuchte ruhig zu bleiben, gleichm\u00e4\u00dfig zu atmen und nicht zu hektisch loszuschwimmen.<br \/>\nDie leichten Schl\u00e4ge links und rechts von mir ignorierend kam allm\u00e4hlich in meinen Rhythmus. Der Schwimmkurs im <em>Lac Tremblant&nbsp;<\/em>bestand aus einer einzigen Runde \u2013 im Prinzip 1900 Meter in eine Richtung, und dann 1900 Meter wieder zur\u00fcck. Oder anders gesehen: 166 Bahnen in meinem Stamm-Pool. Nach den ersten etwa 300 Metern kehrte etwas Ruhe ein, ich war froh, dass sowohl meine Schwimmbrille als auch -Kappe noch an ihrem Platz waren. Ab und zu kreuzte mal jemand von vorn oder von hinten meinen Kurs, man bekommt hin und wieder einen Arm auf den Kopf oder die Waden geknallt, oder schwimmt selbst einem anderen Schwimmer ungewollt in die H\u00fcfte \u2013 die Sicht unter Wasser war nicht die beste. Es hielt sich aber alles im Rahmen, und ich konzentrierte mich auf meinen Armschlag; nicht zu kr\u00e4ftig, aber gleichm\u00e4\u00dfig, nicht zu viel Beineinsatz, aber genug, um eine stabile Lage zu behalten. Immer sch\u00f6n aktiv rotieren, aller 5-10 Armz\u00fcge die Richtung kontrollieren. Der Kurs wurde mit gro\u00dfen schwimmenden Bojen markiert, jede einzelne nummeriert und selbst f\u00fcr mich blinden Fisch einigerma\u00dfen gut erkennbar. Ich wusste, dass es 12 orangene Bojen in die eine und 14 gelbe in die andere Richtung sein w\u00fcrden; au\u00dferdem vibrierte meine Uhr aller 500 Meter, sodass ich jederzeit ganz gut einsch\u00e4tzen konnte, wie viel Wasser ich noch vor oder schon hinter mir hatte. Die Strecke wurde zumindest auf dem R\u00fcckweg auch von einigen Helfern in Kayaks flankiert, was mir als zus\u00e4tzliche Orientierung und Sicherheitsreiz ganz willkommen war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1677\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/startschuss.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/startschuss.png 870w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/startschuss-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/startschuss-768x430.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Der Startschuss zum 8. Ironman Mont-Tremblant! Innerhalb der folgenden 15 Minuten st\u00fcrzten sich 2500 Athleten in den bis dahin sehr ruhigen Lac Tremblant.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach knapp der H\u00e4lfte erreichte ich den ersten von zwei 90-Grad Wendepunkten an denen es naturgem\u00e4\u00df hektisch wurde \u2013 pl\u00f6tzlich waren wieder dutzende Schwimmer um mich herum, jeder energisch seine Position verteidigend und die Ideallinie anstrebend. Arme und Beine wohin man blickte. Ruhig bleiben, dachte ich mir, nicht beirren lassen, weiterkraulen. Der zweite Wendepunkt bald darauf ebenfalls geschafft und somit auch die H\u00e4lfte der Schwimmstrecke. Ich f\u00fchlte mich gut, die Brille hielt dicht, kein Wasser in den Ohren, kein Anzeichen von Kr\u00e4mpfen in den Waden, und auch der Neoprenanzug sa\u00df besser als in meinen Trainingseinheiten, sch\u00fcrfte nicht am Hals und schr\u00e4nkte meine Armstreckung nicht ein wie normalerweise. Ich hielt mein Tempo, aber nach etwa 2.5 Kilometern im Wasser freute ich mich auch auf das Ende der ersten Disziplin. Ich arbeitete mich geduldig von Boje zu Boje, bis ich schlie\u00dflich in der Ferne das Ziel mehr erahnte als erblickte, aber zumindest die Zuschauer, die Musik und den Moderator h\u00f6ren konnte. Wow, was f\u00fcr ein Gef\u00fchl! Den ersten Teil fast geschafft, meine fr\u00fchere Angstdisziplin bew\u00e4ltigt, fast vier Kilometer am St\u00fcck gekrault! Ich erinnerte mich an meine ersten Kraulversuche vor etwa f\u00fcnf Jahren; keine zehn Z\u00fcge war ich in der Lage Freestyle zu schwimmen, nach nichteinmal 15 Metern war ich regelm\u00e4\u00dfig vollkommen au\u00dfer Atem. \u00dcber Monate erlernte ich m\u00fchsam das Schwimmen quasi neu, langsam aber stetig steigerte ich die Distanzen. Diese Gedanken gaben mir einen guten Schub, ich erh\u00f6hte meine Frequenz und intensivierte den Beinschlag, um mein Blut wieder etwas in Zirkulation zu bringen und zu vermeiden, beim pl\u00f6tzlichen Wechsel zur\u00fcck in die Vertikale nicht direkt wieder umzufallen. Die Strategie ging auf, und ich kam nach einer Stunde und vierzehn Minuten gut gelaunt und schmerzfrei aus dem Wasser. Neben unz\u00e4hligen Schaulustigen waren auch zahlreiche Helfer am Ufer, die uns Schwimmern dabei unterst\u00fctzten, uns aus den Neos zu sch\u00e4len \u2013 extrem hilfreich (und lustig anzusehen). Mit dem Wetsuit im Arm lief ich in die Wechselzone und konnte es immer noch nicht fassen, das Schwimmen so reibungslos bew\u00e4ltigt zu haben. Ich war endg\u00fcltig im Wettkampf angekommen; der zeit- und streckenm\u00e4\u00dfige Mammutanteil lag allerdings noch vor mir!<\/p>\n<p><b>Wechselzone 1: Schwimmen \/\/ Rad fahren<\/b><\/p>\n<p>Im Wechselzelt schnappte ich mir meinen blauen Wechselbeutel und suchte mir einen Platz im mit viel zu vielen Menschen gef\u00fcllten Zelt \u2013 als durchschnittlicher Schwimmer ist man eben nicht der einzige in der Wechselzone. Zun\u00e4chst setzte ich mich kurz hin und atmete durch. Nur nicht zu hektisch werden \u2013 die n\u00e4chsten sechs bis sieben Stunden w\u00fcrde ich auf dem Fahrrad verbringen; da w\u00e4re es nicht nur ung\u00fcnstig, jetzt etwas zu vergessen, sondern auch unn\u00f6tig, wegen ein paar Minuten Zeitersparnis irgendetwas zu \u00fcberst\u00fcrzen. Also, das Ritual abarbeiten, wie ich es zuvor dutzende Male im Kopf durchgegangen bin: Noch ein zweites Mal durchatmen. Etwas trinken. Helm und Sonnenbrille aufsetzen. Sonnencreme auftragen. Sitzcreme m\u00f6glichst gro\u00dfz\u00fcgig an den sensiblen Stellen verteilen. F\u00fc\u00dfe abtrocknen und in die Radschuhe schl\u00fcpfen. Radhandschuhe \u00fcberst\u00fclpen. Neoprenanzug, Schwimmbrille und -kappe zur\u00fcck in den Wechselbeutel legen. Eigentlich wollte ich auch noch eine zweite Radhose als Extra-Polster anziehen aber die war verschwunden; musste also auch so gehen. Ich h\u00e4tte wahrlich wichtigere Dinge zu Hause vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1678\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-rad.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-rad.png 871w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-rad-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-rad-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Die Sachen noch durchn\u00e4sst vom Schwimmen aber mit nach wie vor guter Laune aus dem Wechselzelt hin zum Fahrrad. Jetzt lagen viele Stunden im Sattel vor mir.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Davon etwas durcheinandergebracht und mein gut durchdachtes Ritual ignorierend schnappte ich mir auf dem Weg aus dem Wechselzelt noch eine Banane und verschlang sie viel zu schnell \u2013 in dem Moment war mir allerdings noch nicht klar, dass ich das die kommenden vier Stunden lang bereuen w\u00fcrde\u2026<br \/>\nIch lief zu meinem Rennrad, schaltete den Wahoo-Radcomputer ein, und verlie\u00df die erste Wechselzone nach etwas unter 15 Minuten.<\/p>\n<p><b>Rad fahren: 180 Kilometer<\/b><\/p>\n<p>Das Wetter war perfekt. Etwa um die 18 Grad, bew\u00f6lkter Himmel, kein Regen und immer noch kaum Wind. Einer sch\u00f6nen Radtour stand eigentlich nichts im Wege! Guter Dinge trat ich in die Pedale, nicht zu kr\u00e4ftig, um erstmal aus dem gr\u00f6bsten Verkehr rauszukommen. Die ersten Kilometer waren h\u00fcgelig, die Fahrbahn nicht besonders breit, aber die Fahrraddichte sehr hoch! Also Konzentration und die Sache langsam angehen. Eine Regel im Langdistanz-Triathlon besagt, dass man nicht im Windschatten anderer Radler fahren darf \u2013 also mindestens zw\u00f6lf Meter Abstand zum Vordermann halten muss und im Falle eines \u00dcberholvorgangs maximal 25 Sekunden daf\u00fcr Zeit hat. Ein Ding der Unm\u00f6glichkeit bei so vielen Radfahrern besonders im ersten Teil der Strecke; hunderte Athleten waren direkt vor und hinter mir. Ich hatte geh\u00f6rt, dass die Windschattenregel in Mont-Tremblant erfahrungsgem\u00e4\u00df recht streng \u00fcberwacht wird (durch offizielle Schiedsrichter auf Motor- aber auch \u201eundercover\u201c auf eigenen Rennr\u00e4dern unter allen anderen Radlern), also sollte ich mich im weiteren Verlauf des Rennens so gut es ging daran halten. Wird ein Versto\u00df festgestellt, muss man mit einer Zeitstrafe von f\u00fcnf Minuten rechnen. Bei mehreren solcher Verwarnungen droht die Disqualifikation.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1679\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufpanorama.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufpanorama.png 870w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufpanorama-300x166.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufpanorama-768x425.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Rein optisch ist die Strecke in Mont-Tremblant sehr reizvoll. Und unter diesen Wetterbedingungen auch schattig genug.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Muskul\u00e4r, kardiovaskul\u00e4r und mental f\u00fchlte ich mich von Beginn an sehr wohl auf meinem geliebten Cucuma-Gef\u00e4hrt aus Darmstadt, und ich achtete darauf, auch bei Anstiegen mit nicht viel mehr als 200 Watt in die Pedale zu treten (im Vergleich: der Favorit, Lionel Sanders, tritt 300 Watt im Durchschnitt!). Recht schnell bemerkte ich jedoch, dass mein Magen heute keine Lust auf Sport zu haben schien \u2013 oder mir schlichtweg das schnelle Verschlingen der Wechselzonen-Banane gefolgt von einer hastigen Flasche Powerade \u00fcbel nahm. Unangenehme wenn auch nicht unausstehliche Magenkr\u00e4mpfe machten sich bemerkbar und ich musste sofort an das Schicksal eines Triathlonfreundes denken, der seine letzte Langdistanz wegen genau solcher Symptome abgebrochen hatte. Mich plagten derartige Probleme noch nie \u2013 aber wie mein Trainer Alan mehr als nur ein Mal prophezeite: irgendetwas Unvorhergesehenes <i>wird<\/i>passieren. Nimm es hin, bleibe ruhig. Okay. Ruhig bleiben. Weitertreten. Im Training hatte ich schon unangenehmere Beschwerden ausgehalten. Aber w\u00fcrde mein Magen im derzeitigen Zustand die kohlenhydratlastige Nahrung \u00fcberhaupt annehmen, geschweige denn vertragen? Meine Ern\u00e4hrungsstrategie f\u00fcr den restlichen Teil des Rennens (und somit f\u00fcr mindestens zehn weitere Stunden) bestand im Prinzip aus konzentrierter Zuckerl\u00f6sung mit Elektrolyten (der Marke <i>Tailwind<\/i>), Energieriegel, und ab und zu mal ein K\u00e4sesandwich. Aber es half alles nichts \u2013 so lange die Kr\u00e4mpfe nicht schlimmer wurden w\u00fcrde ich damit leben m\u00fcssen und darauf achten, alle \u00fcbrigen Kalorien nicht zu hastig einzunehmen. So strampelte ich also weiter und konzentrierte mich auf andere Dinge.<br \/>\nAuf den ersten zehn Kilometern der ersten von zwei Runden ging es \u00fcber insgesamt drei leichte H\u00fcgel in Richtung S\u00fcdwesten, entlang der <i>Montee Ryan<\/i>. Anschlie\u00dfend bogen wir nach Norden ab auf den Highway 117; letztendlich eine Autobahn, gesperrt f\u00fcr uns Triathleten! F\u00fcr kanadische Verh\u00e4ltnisse ausgezeichneter Asphalt, genug Platz, technisch nicht besonders anspruchsvoll, und gute Sicht nach vorn \u2013 was will man mehr! Die kommenden Kilometer ging es leicht aber stetig bergauf, bis es zur ersten gro\u00dfen Abfahrt kam: etwa einen Kilometer schnurgeradeaus und steil bergab; mit \u00fcber 70km\/h ins Tal. Naja, und dann auf der anderen Seite wieder hoch.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1680\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/rad-abfahrt.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"446\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/rad-abfahrt.png 869w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/rad-abfahrt-300x167.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/rad-abfahrt-768x429.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><i>Bild oben: Schnelle Abfahrt vor einer Kurve - willkommener Grund, die Aero-Position zu verlassen um den R\u00fccken etwas entspannen zu k\u00f6nnen. In der Aero-Position kann man die Bremsen nicht bedienen und hat in engen Kurven viel weniger Kontrolle \u00fcber sein Rad.<\/i><\/span><\/p>\n<p>Die Zeit auf dem Highway verging schnell. Alle 18 Kilometer gab es Verpflegungsstationen, an denen ich im Vorbeifahren jeweils eine leere gegen eine volle Wasserflasche tauschte. Ich nippte flei\u00dfig (aber sorgf\u00e4ltig) an meinem Zuckerwasser, und a\u00df zwei Energieriegel in den ersten zwei Stunden. Die Magenkr\u00e4mpfe blieben, aber wurden zumindest nicht schlimmer. Die erste H\u00e4rtepr\u00fcfung des Wettkampfes folgte dann nach etwa 75 Kilometern \u2013 der wirklich bergige Teil begann. Die <i>Chemin Duplessis<\/i>Duplessis ist ein f\u00fcr Radfahrer wirklich unangenehmer Streckenabschnitt. Auf knapp zehn Kilometern geht es tendenziell bergauf, mit immer wieder starken kurzen Anstiegen mit bis zu 14% Steigung. Sehr zerm\u00fcrbend, man findet keinen Rhythmus. Und wei\u00df, dass man etwa drei Stunden sp\u00e4ter nochmal dort hinauf muss. Ich versuchte auch hier, m\u00f6glichst nicht zu viel Kraft zu verschwenden und dabei viel zu trinken. Wo es hinauf geht, geht es auch wieder hinunter, und die Abfahrt nutzte ich zur aktiven Regeneration meiner Beine. Am Ende der ersten Runde hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas \u00fcber 30km\/h \u2013 eine ganz gute Ausgangsposition f\u00fcr die noch fehlenden 90 Kilometer und angesichts des H\u00f6henprofils auch sehr zufriedenstellend.<\/p>\n<p>Die zweite Runde war ungleich h\u00e4rter als die erste, sowohl mental als auch k\u00f6rperlich. Zwar begann sie mit einem kurzen Mini-Stopp bei den so genannten <i>Special Needs Bags<\/i>, in welchen ich mir etwas zus\u00e4tzliche Nahrung und eine weitere Flasche Zuckerwasser bereitgelegt hatte. An der Station hielt ich also kurz an, mir wurde innerhalb weniger Sekunden mein Beutel gebracht, ich nahm mir zwei vorbereitete K\u00e4sesandwiches heraus und f\u00fcllte mein Getr\u00e4nk um. Nach weniger als zwei Minuten war die Prozedur beendet und ich sa\u00df wieder strampelnd im Sattel. Es wurde jedoch w\u00e4rmer, und gleichzeitig frischte der Wind merklich auf. Gef\u00fchlt nat\u00fcrlich st\u00e4ndig Gegenwind, vollkommen unabh\u00e4ngig davon in welche Richtung wir fuhren. Der Magen rebellierte nach wie vor im Hintergrund, und allm\u00e4hlich bereute ich auch, die zweite Radhose nicht gefunden zu haben. Doch selbst nach knapp vier Stunden und etwas mehr als hundert Kilometern im Sattel war zumindest meine Laune noch gut. Immer noch war es ein surreales Gef\u00fchl, tats\u00e4chlich an diesem Rennen teilzunehmen. Das Feld der Athleten hatte sich mittlerweile weit auseinandergezogen. Gern h\u00e4tte ich mich mit dem ein oder anderen Radler unterhalten um die Zeit zu vertreiben, aber auch das w\u00e4re ein Regelversto\u00df gewesen. Triathlon ist zumindest im Wettkampf ein reiner Einzelsport. Also beschr\u00e4nkte ich meine Konversation auf ein <i>\u201cOn your left\u201d<\/i>vorm \u00dcberholen oder das <i>\u201cThank you\u201d<\/i>gegen\u00fcber den Helfern an den Verpflegungsstationen. Um seinen M\u00fcll loszuwerden (zum Beispiel leere Wasserflaschen oder Verpackungen von Energieriegeln) waren an diesen Stationen kanadatypisch Hockeytore aufgestellt, was ebenfalls f\u00fcr ein bisschen Ablenkung zumindest aller besagter 18 Kilometer sorgte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1681\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/radstrecke.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/radstrecke.png 613w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/radstrecke-300x153.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Die Radstrecke des Ironman Mont-Tremblant. Zwei Runden mussten gefahren werden, zu jeweils 90 Kilometern. Insgesamt bedeutete das etwa 1800 H\u00f6henmeter.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach 137 Kilometern hatte ich eine Strecke erreicht, die ich im Training bisher noch nie gefahren bin, und somit rennradlerisches Neuland. Meine Beine wurden allm\u00e4hlich m\u00fcde, mein Nacken begann zu schmerzen, naja und an den Zustand meines Magens hatte ich mich ja bereits gew\u00f6hnt. 40 Kilometer galt es noch zu strampeln. Und dann war da ja noch das zweite Mal <i>Chemin Duplessis<\/i>\u2026 20 Kilometer vor Schluss also nochmal zusammenrei\u00dfen und die letzten der insgesamt etwa 1800 H\u00f6henmeter auf der Radstrecke bew\u00e4ltigen. Dies gestaltete sich erwartungsgem\u00e4\u00df um ein Vielfaches anstrengender als in der ersten Runde. Und es war gef\u00fchlt so viel weiter! Je n\u00e4her ich jedoch dem letzten Wendepunkt kam, desto gr\u00f6\u00dfer wurde die Erleichterung, diesen riesigen Abschnitt des Wettkampfes ohne technischen Defekt, ohne Platten, ohne Sturz und ohne Magenkomplettrebellion so gut wie geschafft zu haben! Nach etwas \u00fcber sechs Stunden stieg ich schlie\u00dflich vom Sattel, euphorisch wie zu Beginn des Abschnitts, die Kr\u00e4mpfe in der Bauchgegend waren zumindest zeitweilig sogar verschwunden. Die Stimmung war grandios, Musik, so viele Menschen, so viele Sportler! In der Menge entdeckte ich Christina, die mich auch schon auf der Radstrecke mehrmals enthusiastisch angefeuert hatte \u2013 das gab nochmal einen weiteren Motivationsschub bevor ich zum zweiten Mal im Wechselzelt verschwand.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1682\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-lauf.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-lauf.png 866w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-lauf-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/auf-zum-lauf-768x431.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: 180 Kilometer waren geschafft! Man glaubt es kaum, aber tats\u00e4chlich empfand ich eine Art Vorfreude aufs Laufen; nach \u00fcber sechs Stunden im Sattel will man alles, nur nicht mehr sitzen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><strong>Wechselzone 2: Rad fahren \/\/ laufen<\/strong><\/p>\n<p>Diesmal hatte ich etwas mehr Platz im Zelt. Auf einer so langen Radstrecke \u00fcber so viel Zeit verteilen sich die Athleten deutlich besser als beim Schwimmen. Ich suchte meinen zweiten Wechselbeutel, dann einen freien Sitzplatz im Umkleidebereich und atmete wieder erstmal durch. Dann raus aus den Radschuhen. Helm absetzen. Handschuhe ausziehen. Socken wechseln und Laufschuhe anziehen. Die Startnummer anlegen. Eine weitere Schicht Sonnencreme auftragen. Mein Magen f\u00fchlte sich ganz gut an, mein Puls war erstaunlich niedrig. Ich war nicht vollkommen ersch\u00f6pft, so wie ich das im Training manchmal nach bereits der H\u00e4lfte der heutigen Strecke gewesen bin. Da scheine ich mich auf dem Rad zumindest mal nicht komplett falsch verhalten zu haben. Aber Moment \u2013 jetzt noch einen ganzen Marathon laufen? Nach mittlerweile weit \u00fcber sieben Stunden Ausdauersport? Das erschien mir zu diesem Zeitpunkt vollkommen unm\u00f6glich. Beinahe unm\u00f6glicher als noch damals, bevor ich selbst \u00fcberhaupt erst zum Triathleten wurde. Drei Marathons bin ich in den vergangenen Jahren bereits gelaufen, den letzten vor gerade mal zwei Monaten; und das tat weh, war extrem anstrengend; dabei war ich an der Startlinie ausgeschlafen und fit, ich hatte weder drei Liter Zuckerwasser im K\u00f6rper noch 180 Radkilometer in den Beinen. Aber gut \u2013 nun war ich hier, lag nicht am Boden, konnte aufrecht gehen, und hatte viel Geld f\u00fcr den ganzen Spa\u00df bezahlt; genug Gr\u00fcnde also, all die Zweifel auf die Probe zu stellen und zu sehen, was passiert! Nach den guten ersten beiden Disziplinen jedenfalls war die Zeit auf meiner Seite. Nach etwas \u00fcber zehn Minuten verlie\u00df ich das Wechselzelt wieder (lie\u00df die eingeplante Banane diesmal allerdings aus R\u00fccksicht auf mein Verdauungssystem im Wechselbeutel liegen) und begab mich im leichten Galopp hinaus auf die Laufstrecke. Auf geht's!<\/p>\n<p><strong>Laufen: 42,2 Kilometer<\/strong><\/p>\n<p>Gleich am Anfang entdeckte ich schon wieder Christina \u2013 sie war \u00fcberall und feuerte mich an! Ich bekam einen erneuten Schub, aber die Beine f\u00fchlten sich etwas komisch an. Alles recht schwerf\u00e4llig, obwohl mein Tempo mit etwa 5:37min\/km gar nicht \u00fcbel war und mir nur viel langsamer vorkam. Das kannte ich aus dem Training \u2013 laufen nach dem Rad fahren ist eigenartig, aber irgendwann wird es besser. Einfach weiter traben ohne gleich zu schnell zu werden. Ich hatte keine Ahnung wie sp\u00e4t es zu Beginn des Marathons war, aber ich wusste, dass ich noch mehr als genug Zeit hatte, bis um Punkt Mitternacht die Ziellinie gnadenlos schlie\u00dfen w\u00fcrde. Es war noch mitten am Tag, und viel sp\u00e4ter als halb drei konnte es eigentlich nicht sein. Wohl vermutend, dass irgendwann im weiteren Verlauf des Rennens Schluss sein w\u00fcrde mit guter Laune, Tatendrang und Energie, blieb ich in Bewegung und genoss die Stimmung so lange es noch ging.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1683\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufstart.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufstart.png 872w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufstart-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/laufstart-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<em>Bild oben: Der Beginn eines Marathons, ca. 7,5 Stunden nach Wettkampfbeginn. 150 Kalorien in der Hand, und 1000 Kalorien auf dem R\u00fccken. Am Ende w\u00fcrde ich nicht mal die H\u00e4lfte davon verzehren.<\/em><\/p>\n<p>Die ersten Kilometer waren hart. Es ging einige verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig steile Anstiege hinauf und hinunter, bevor sich die Strecke nach etwa sechs Kilometern abflachte und schattig im Wald entlanglief auf dem <em>Le P\u2019Tit Train du Nord<\/em>. Maximal aller zwei Kilometer waren Verpflegungsstationen eingerichtet \u2013 Eisw\u00fcrfel, Wasser, Elektrolytdrinks, Bananen, Energy-Gels. Nicht zu vergessen die unz\u00e4hligen freiwilligen Helfer, die uns Athleten nicht nur mit Nahrung, sondern auch lautstark und freundlich mit frischer Motivation und Mut versorgten. Zwischen Kilometer 6 und 14 lief alles bestens. Ich kam voran, war mit meinem Tempo von mittlerweile 5:45min\/km sehr zufrieden. Sicherlich war es anstrengend, aber ich konnte noch das Publikum anl\u00e4cheln, mich im Vorbeilaufen bei den Helfern bedanken, und anderen, langsameren Sportlern aufmunternd zureden. Ein paar Kilometer nach dem ersten Wendepunkt jedoch wurde es allm\u00e4hlich h\u00e4rter. Die Energiereserven neigten sich merklich dem Ende, und ich musste immer h\u00e4ufiger Gehpausen einlegen. An jeder Verpflegungsstation versuchte ich genug Wasser und Cola zu trinken und mich mit Eis abzuk\u00fchlen. Mein Magen meldete sich erneut, rebellierte leicht gegen das Zuckerwasser, was ich ihm nach wie vor in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zuf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Gegen Ende der ersten Runde ging es wieder die H\u00fcgel vom Anfang hinauf und hinunter, zur\u00fcck in das Veranstaltungsdorf. Immer noch konnte ich l\u00e4cheln und versuchte auch stets wieder das Tempo zu halten. Inzwischen war ich bei einem Temposchnitt von etwa 5:55min\/km angelangt. Bei Kilometer 22, Mitten im St\u00e4dtchen, dann der h\u00e4rteste, wenn gleichzeitig auch am meisten motivierende Teil: Die Strecke gabelte sich nach links, zum Zieleinlauf, und nach rechts, f\u00fcr die zweite Runde. Hunderte, oder gar tausende Schaulustige machten L\u00e4rm und lie\u00dfen mich nur ahnen, wie es sich 20 Kilometer sp\u00e4ter links-abbiegend anf\u00fchlen w\u00fcrde. Aber das hie\u00df auch, dass ich eben nochmal die komplette Runde laufen m\u00fcsste. Inklusive H\u00fcgel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1684\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/anfeuern.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/anfeuern.png 600w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/anfeuern-300x142.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Bei Kilometer 21 und 41 wurden auf einer gro\u00dfen Leinwand f\u00fcnfsek\u00fcndige Videos abgespielt, die vorher von Angeh\u00f6ren der Sportler aufgezeichnet werden konnten. Sehr coole Idee und ein willkommener Motivationsschub auf der halben Strecke. Mein IronMate Christina ist die beste Support-Crew, die man sich vorstellen kann! <span style=\"text-decoration: underline; color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.photosfromyourevent.com\/2523\/g37i8s\/\">Hier gibt's das Video in voller K\u00fcrze.<\/a><\/span>.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst jedoch ging es erstmal bergab, wieder heraus aus dem Dorf, ein St\u00fcck am See entlang. Ich traf Christina erneut, zum wohl zehnten Mal schon, und hielt kurz inne. Sie gab mir Mut, dass ich sehr gut in der Zeit l\u00e4ge, und sie hatte Recht \u2013 ich war auf 12-Stunden-Kurs; allerdings nur, wenn ich in etwa das Tempo der ersten Runde auch in der zweiten halten w\u00fcrde, was mir zu diesem Moment unm\u00f6glich vorkam. Zwar f\u00fchlte ich mich noch um einiges besser als im letzten Drittel meiner bisherigen Marathons, aber ich hatte ja auch noch knapp 20 Kilometer vor mir. Irgendwann, dachte ich mir, w\u00fcrde der Hammer kommen und mich gnadenlos zu Boden zwingen. Aber noch war es nicht so weit, und ich rannte weiter. Christina begleitete mich ein St\u00fcck, doch bald war ich wieder auf mich allein gestellt; und auf die nach wie vor unglaublich motivierenden Zuschauer am Rande des Gro\u00dfteils der Strecke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1685\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zweite-runde.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zweite-runde.png 873w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zweite-runde-300x168.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zweite-runde-768x431.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Zu Beginn der zweiten Runde lief alles etwas langsamer. Die Beine wurden schwer und ein weiterer Halbmarathon schien zu diesem Zeitpunkt ein bisschen unrealistisch.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Die H\u00fcgel hatte ich nun zum dritten Mal so gut wie \u00fcberwunden und war zur\u00fcck auf dem zehn Kilometer langen, schattigen Waldst\u00fcck. Meine Geh-Pausen wurden l\u00e4nger und ich begann mich immer wieder mit anderen tempor\u00e4r gehenden Athleten zu unterhalten, um erfolgreich f\u00fcr etwas beidseitige Ablenkung zu sorgen. Dabei traf ich Brian, der ebenfalls seinen ersten Ironman-Versuch machte, sowie eine \u00e4ltere in der Schweiz geborene Dame aus Vancouver, welche zwar noch auf der ersten Runde unterwegs war aber daf\u00fcr froh, ein paar Worte in deutscher Sprache wechseln zu k\u00f6nnen. Im Vorbeigehen dankte ich all den Helfern f\u00fcr die gro\u00dfartige Unterst\u00fctzung, wohl wissend, dass sie heute noch einen weitaus l\u00e4ngeren Tag haben w\u00fcrden als die meisten L\u00e4ufer auf der Strecke. Kommunikation war ein guter Zeitvertreib und half dabei, die eigene gute Stimmung aufrecht zu erhalten. Allerdings nicht jedem: Ich sah einige Sportler, denen es ganz augenscheinlich viel schlechter ging als mir, deren M\u00e4gen die Verpflegung mehr oder weniger offensichtlich nicht vertrugen, und einige, die schon aufgeben mussten und am Boden liegend von Rettungskr\u00e4ften versorgt wurden. Kilometer 29. Jetzt musste es bald vorbei sein mit der guten Laune, dachte ich mir. Ich erinnere mich widerwillig, dass die letzten acht Kilometer meiner bisherigen Marathons jedesmal eine schmerzvolle Qual waren. Wann w\u00fcrde es heute soweit sein? Am letzten Wendepunkt nahm ich noch zwei Schlucke Cola und lief wieder los. Kilometer 32. Jetzt quasi nur noch einen Zehner! Pl\u00f6tzlich setzte so etwas wie erneute Euphorie ein \u2013 das Laufen f\u00fchlte sich nicht mehr so schwer an und ich sammelte unz\u00e4hlige langsamere L\u00e4ufer ein. Ich passierte die Verpflegungsstationen im Laufschritt, musste nicht einmal mehr an den H\u00fcgeln zum Gehen wechseln. Ich konnte es nicht fassen, aber meine Beine trugen mich immer weiter, meine Geschwindigkeit wurde wieder h\u00f6her. Die Anstiege waren geschafft! Noch vier Kilometer bis ins Dorf. Es wurden immer mehr Leute am Stra\u00dfenrand und in der Ferne konnte ich bereits die pulsierende Musik im Zielkanal h\u00f6ren. Ich wusste, ich w\u00fcrde es schaffen und ich wusste, ich w\u00fcrde es gut gelaunt schaffen! Noch zwei Kilometer. Es ging nochmal bergauf durch das Dorf, aber von Gehpausen wollte ich jetzt nichts mehr wissen! Es lief wie von allein. Die letzte Verpflegungsstation lie\u00df ich links liegen, meine Schritte wurden gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>Der Zieleinlauf<\/strong><\/p>\n<p>Unfassbar, nur noch ein Kilometer vor mir, die Musik war jetzt zum Greifen nah, wurde immer lauter, die Partystimmung bereits hier voll im Gange. Wie oft habe ich mir in den vergangenen Monaten genau diesen Moment vorgestellt \u2013 kurz vor dem Zieleinlauf, nach stundenlangen Strapazen, die letzten paar hundert Meter genie\u00dfen. Und ich genoss sie. Es ging leicht bergab, in einer engen Gasse vorbei an hunderten jubelnden Menschen auf beiden Seiten. H\u00e4nde streckten sich mir zum Abklatschen entgegen, laute Stimmen riefen abwechselnd meinen Namen oder meine Startnummer. Ich war wahrlich nicht der erste, aber eben so f\u00fchlte es sich an. Kurve nach rechts, ich versuchte etwas langsamer zu werden um den Moment zu konservieren, Kurve nach links. Und da war er, der seit Jahren ersehnte Zieleinlauf eines Langdistanz-Triathlons. Noch zwanzig Meter. Ich riss meine Arme nach oben, w\u00e4hrend ich inmitten der lauten Stimmung Mike Reilly, Triathlon-Ikone, sogar einigerma\u00dfen korrekt meinen Namen moderieren h\u00f6rte, gefolgt von den magischen vier Worten des Triathlonsports:<\/p>\n<p><strong>\u201eYou \u2013 are \u2013 an \u2013 IRONMAN!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Ironman-Finish Mont-Tremblant 2019 (Ludwig)\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/WVkX5su7UCk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><i>Video above: Der Zieleinlauf genau 12 Stunden und 6 Minuten nach meinem Start. Alle Zweifel verflogen, alle Schmerzen vergessen.<\/i><\/span><\/p>\n<p><strong>Nach dem Rennen<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte es geschafft! Seit 16 Stunden wach, 226km und 2100 H\u00f6henmeter zur\u00fcckgelegt und in zw\u00f6lf Stunden und sechs Minuten meinen ersten Ironman-Wettkampf erfolgreich beendet. Jahrelanges Training gipfelten in genau diesem magischen Moment. All die Strapazen der harten Trainingseinheiten und auch die des sich dem Ende neigenden Tages waren es genauso wert wie jetzt vergessen. Im Adrenalin- und Endorphinrausch bekam ich meine Medaille, wurde in Richtung Finisher-Zelt gef\u00fchrt, nahm mein T-Shirt und Basecap entgegen, und suchte mir einen Platz zwischen all den anderen Athleten im Zelt. Keinerlei Schmerzen machten sich bemerkbar, stattdessen ein Dauergrinsen im Gesicht, wahnsinnige Erleichterung und Fassungslosigkeit. Ich erinnerte mich an die letzten Tipps meines Trainers, als er sagte, nach dem Zieleinlauf solle ich m\u00f6glichst sofort etwas essen. Mein Magen krampfte zwar nicht mehr, aber nach Nahrungsaufnahme war mir gar nicht zumute \u2013 unmittelbar nach einem Wettkampf bekam ich noch nie viel runter. Ein paar Nudeln nahm ich zu mir, und hei\u00dfen Tee. Zur\u00fcckblickend auf meine Marathon-Finishes in Frankfurt, Berlin und auch in Ottawa, habe ich mich direkt nach den L\u00e4ufen viel schlechter gef\u00fchlt als jetzt, obwohl ich zumindest bei den ersten beiden gar nicht so viel schneller war als heute. Lag das an der intensiveren Vorbereitung? Oder an einer besseren Verpflegungsstrategie? Oder gar an der h\u00f6heren Adrenalindosis? In dem Moment jedenfalls war es mir egal \u2013 ich war froh, mich so gut zu f\u00fchlen, konnte ich so doch die Zeit unmittelbar nach dem Rennen in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen und die Atmosph\u00e4re einer interessanten Mischung aus Euphorie und Ersch\u00f6pfung hunderter frisch-gebackener Eisenm\u00e4nner und -frauen aufsaugen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1688\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zielgerade.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zielgerade.png 872w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zielgerade-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/zielgerade-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Je sp\u00e4ter und dunkler es wurde, desto besser wurde die Stimmung. Athleten mit Zeiten um die 14-17 Stunden wurden durch besonders euphorisches Publikum belohnt und von Mike Reilly an der Ziellinie pers\u00f6nlich abgeklatscht.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nachdem ich mich gest\u00e4rkt, mein Fahrrad abgeholt, die ganzen Wechselbeutel wieder eingesammelt und zur\u00fcck zum Auto gebracht sowie meine durchn\u00e4sste gegen frische Kleidung getauscht hatte, verbrachten Christina und ich den verbleibenden Abend damit, die restlichen L\u00e4ufer \u00fcber die Ziellinie zu jubeln. Je sp\u00e4ter es wurde, desto grandioser die Atmosph\u00e4re. Jeder einzelne Athlet wurde von einem immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Publikum gefeiert, als w\u00e4re er oder sie der Sieger des Tages. Mike Reilley machte Stimmung und wurde nicht m\u00fcde, jeden Einzelnen beim Namen und einen <em>Ironman<\/em>.<br \/>\nnennen. Unglaublich, mittlerweile waren \u00fcber 16 Stunden vergangen, und noch immer befanden sich Sportler auf der Strecke. Was f\u00fcr eine Ausdauer. Einige von ihnen k\u00e4mpften sich sehr offensichtlich mit aller letzter Kraft \u00fcber die Ziellinie. Die letzte Athletin traf 40 Sekunden vor Mitternacht ein und der Wettkampftag wurde mit einem gemeinsamen Countdown und anschlie\u00dfendem Feuerwerk offiziell beendet.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Impressions of IRONMAN Mont-Tremblant 2019\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/51uZZrUIUzk?start=79&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><i>Video oben: Eine kurze Zusammenstellung Christinas Videos meines Rennens vom Start bis zur Ziellinie.<\/i><\/span><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"Monday: The day after\">Montag: Der Tag danach<\/h3>\n<p>Kein Wecker heute, und trotzdem wachte ich fr\u00fch auf. Das Einschlafen viel mir sehr schwer, vollkommen aufgekratzt war ich gestern Nacht. Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf, wie unter Drogen habe ich selbst nach fast 24 Stunden ohne Schlaf und davon die H\u00e4lfte unter k\u00f6rperlicher Anstrengung kaum die Augen zu bekommen. Zw\u00f6lf Stunden nach meinem Zieleinlauf jedoch war das Adrenalin wohl abgebaut \u2013 die Innenseite meines linken Knies begann zu schmerzen, und pl\u00f6tzlich konnte ich nicht mehr so unbeschwert gehen wie noch gestern Abend. Interessanterweise hatte ich muskul\u00e4r nach wie vor keinerlei Beschwerden, aber die B\u00e4nder meldeten sich um so mehr. Gewundert hatte mich das nat\u00fcrlich nicht, und solange nur die linke Seite betroffen war, w\u00fcrde ich unseren Automatik auch noch nach Hause gesteuert bekommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1689\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/konasign.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/konasign.png 903w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/konasign-300x170.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/konasign-768x435.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Letzter Tag im Ironman-Village. F\u00fcr eine Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Kona auf Hawaii h\u00e4tte mein Ergebnis dieses Jahr aber selbst dann nicht gereicht, wenn ich in den Sechzigern geboren w\u00e4re...<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach dem letzten Fr\u00fchst\u00fcck in unserem Hotel fuhren wir auch noch ein letztes Mal ins Ironman-Village. Dort fand heute die Siegerehrung statt, gefolgt von der Vergabe der 40 Qualifikationspl\u00e4tze f\u00fcr die Ironman-Weltmeisterschaft in Kailua-Konaauf Hawaii im Oktober dieses Jahres. In jeder Altersklasse konnten sich zwischen 1 und 5 Athleten qualifizieren, je nach Gesamtzahl der in der entsprechenden Klasse angetretenen Sportler. Wird man aufgerufen, muss man an Ort und Stelle verbindlich entscheiden, ob man nach Hawaii will, und nat\u00fcrlich auch direkt bezahlen (so um die 1000 Euro Teilnahmegeb\u00fchr). Nimmt man seinen Slot nicht an, bekommt automatisch der N\u00e4chstbeste die Chance. So geht das dann immer weiter, bis alle Pl\u00e4tze vergeben sind. Mit meiner Zielzeit von etwas \u00fcber 12 Stunden befand ich mich auf dem 92. Platz meiner Altersklasse und lief damit nicht Gefahr, in die Verlegenheit dieser Entscheidung zu kommen - diese Zeit h\u00e4tte erstaunlicher- und beeindruckenderweise nicht einmal bei den \u00dcber-F\u00fcnfzigj\u00e4hrigen f\u00fcr eine WM-Qualifikation gereicht. Das Spektakel mit anzusehen jedoch war gro\u00dfartig. In einigen Altersklassen bekamen Sportler als Sechstplatzierte einen Slot f\u00fcr Kona, obwohl eigentlich nur zwei Qualipl\u00e4tze vorgesehen waren. Entsprechend riesig war die Freude der betroffenen Personen.<\/p>\n<p>Das letzte offizielle Spektakel des Wochenendes war schlie\u00dflich nach gut zwei Stunden vorbei. Geschafft, zufrieden und stolz verlie\u00dfen wir Mont-Tremblant nach f\u00fcnf unglaublich erlebnisreichen und unvergesslichen Tagen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1690\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/alle-namen.png\" alt=\"\" width=\"870\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/alle-namen.png 870w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/alle-namen-300x169.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/alle-namen-768x433.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 870px) 100vw, 870px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Einer von etwas \u00fcber 2200 Finishern des Ironman Mont-Tremblant 2019. Und einer von etwa 550 Erstt\u00e4tern.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Das vergangene Wochenende war mit Sicherheit eines meiner erlebnisreichsten. Bleibt die Frage: Was kommt als n\u00e4chstes? Dass ich Spa\u00df an Triathlon habe ist unbestritten, aber ob ich f\u00fcr die Langdistanz gemacht war? Zumindest beim Laufen hatte ich da aufgrund meiner bisherigen Marathonerfahrungen eher Zweifel. Nach den vergangenen f\u00fcnf Tagen aber sind diese beseitigt - und das lasse ich mal wertfrei so stehen... Das Training f\u00fcr Wettk\u00e4mpfe dieser Art ist extrem zeitaufwendig. Woche f\u00fcr Woche 13-18 Stunden trainieren ist neben der Arbeit und dem Familienleben eine gro\u00dfe Herausforderung. Ohne die andauernde mentale und logistische Unterst\u00fctzung meiner geliebten Ehefrau h\u00e4tte ich die Ziellinie am Sonntag bestimmt nicht erreicht; nicht zuletzt durch Christinas eindrucksvollen und so hilfreichen Einsatz am Sonntag selbst: helfen beim Packen und Nahrung zubereiten, beruhigen, Material durch die Gegend schleppen und Sachen besorgen, die ich vergesse, mich an 13 Stellen im Rennen anfeuern, Fotos und Videos machen und Vieles mehr.<\/p>\n<p>Definitiv bleibe ich in der Sportart, und definitiv werde ich auch weiterhin an Wettk\u00e4mpfen unterschiedlicher Art teilnehmen. Sehr gern w\u00fcrde ich auch im n\u00e4chsten Jahr wieder eine Langdistanz angehen, aber das bedarf wohl noch gewisser Abstimmungen.<\/p>\n<p>Bis dahin hier noch ein paar mehr oder weniger interessante Fakten und Zahlen zu meinem Rennen und dem Weg dorthin.<\/p>\n<p><strong>Einzelzeiten der Disziplinen:<\/strong><br \/>\n<em>3,8km Schwimmen: <\/em><strong>1h14min <\/strong>|&nbsp;<em>Wechselzone 1: <\/em><strong>14min <\/strong>|&nbsp;<em>180km Rad fahren: <\/em><strong>6h7min <\/strong>|&nbsp;<em>Wechselzone 2: <\/em><strong>11min <\/strong>|&nbsp;Running&nbsp;<em>42,2km: <\/em><strong>4h20min <\/strong>|&nbsp;<em>Gesamtzeit f\u00fcr226km: <\/em><strong>12h6min<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nahrungsaufnahme am Wettkampftag:<\/strong><br \/>\n<em>Fl\u00fcssigkeit: <\/em><strong>11,2 Liter&nbsp;<\/strong>|&nbsp;<em>Kalorien verbraucht: <\/em><strong>7500 <\/strong>|&nbsp;<em>Kalorien aufgenommen: <\/em><strong>5600 <\/strong>|&nbsp;<em>Davon aus Kohlenhydraten: <\/em><strong>1100g <\/strong>(78% der Gesamtkalorien)<\/p>\n<p><strong>Trainingsaufwand der spezifischen Wettkampfvorbereitung:<\/strong><br \/>\n<em>Konkrete Trainingsdauer:&nbsp;<\/em><strong>33 Wochen <\/strong>|&nbsp;<em>Stunden pro Woche: <\/em><strong>12 <\/strong>|&nbsp;<em>Anzahl aller Radeinheiten \u00fcber 100 km:&nbsp;<\/em><strong>5 <\/strong>|<em>L\u00e4ngstes Radtraining:&nbsp;<\/em><strong>137km <\/strong>|&nbsp;<em>Anzahl aller Laufeinheiten \u00fcber 30 km: <\/em><strong>5<\/strong>|&nbsp;<em>Trainingskilometer gesamt: <\/em><strong>6521&nbsp;<\/strong>| <em>Trainingszeit gesamt: <\/em><strong>400h&nbsp;<\/strong>(davon 46% outdoors)<\/p>\n<p><strong>Nahrungsaufnahme der Wettkampfvorbereitung:<\/strong><br \/>\n<em>Fl\u00fcssigkeit gesamt:&nbsp;<\/em><strong>1133 Liter <\/strong>|<em>&nbsp;Durchschnittlicher Kalorienbedarf pro Tag: &nbsp;<\/em><strong>3200 <\/strong>|&nbsp;<em>Alkoholkonsum gesamt:<\/em><strong>2 kleine Bier<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1691\" src=\"http:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trainingsdaten.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trainingsdaten.png 1450w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trainingsdaten-300x89.png 300w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trainingsdaten-768x228.png 768w, https:\/\/followfichte.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/trainingsdaten-1024x304.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Bild oben: Der spezifische Trainingsaufwand in den letzten 33 Wochen bis zum Ironman. Hauptfokus lag nat\u00fcrlich auf dem Radtraining. Am Ende der letzten Woche stand der Wettkampf.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach all dem Training werden die kommen Tage zun\u00e4chst ruhig angegangen. Leichte und kurze Einheiten zur Regeneration. Sicherlich werde ich dieses Jahr noch den ein oder anderen Laufwettkampf bestreiten, vielleicht mal wieder ein paar Trails laufen. An dieser Stelle jedenfalls erst einmal herzlichen Dank f\u00fcr das Interesse und die Geduld bis hierhin durchzuhalten. Als frischgebackener Langdistanztriathlet kann man sich leider nicht mehr kurzhalten.<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe und bis bald,<br \/>\nLudwig.<br \/>\nIronman.<\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mehr zu lesen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/followfichte.com\/de\/the-early-bird-starting-the-season-in-ottawa\/\">Rennbericht Early Bird Triathlon, Fr\u00fchling 2019<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/followfichte.com\/de\/half-way-there\/\"><span style=\"color: #3366ff;\">Rennbericht Ironman 70.3 Kraichgau, Sommer 2018<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/followfichte.com\/de\/training-camp-1000k-in-istria\/\">Bericht \u00fcber das Istriabike Triathloncamp, Fr\u00fchling 2018<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/followfichte.com\/de\/a-certain-expenditure-of-time\/\">Wie viel Zeit f\u00fcr Triathlon?<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/followfichte.com\/de\/swim-cycle-run\/\">Warum Triathlon?<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<hr>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>When I was following the Ironman World Championship Hawaii the first time in TV I was blown away. 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